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SEKUNDI

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Deutsche Inkassobranche in Aufruhr
Seit 1. Oktober 2021 greift in Deutschland die neue Inkassoregulierung, die in der
Inkassobranche für mächtig Aufruhr sorgt. Das Gesetz zur Verbesserung des
Verbraucherschutzes im Inkassorecht (BGBl. I 20, 3320) – so die exakte Bezeichnung der
Inkassoreform – wurde bereits Anfang 2020 nach langwierigen politischen Diskussionen vom
Deutschen Bundestag verabschiedet. Der Gesetzgeber sieht deutliche Kostensenkungen
und eine höhere Transparenz für Verbraucher vor, dienlich dem Zweck, das Inkassowesen
„fairer“ und „verbraucherfreundlicher“ zu gestalten. Verbraucher sollen demnach
insbesondere vor unverhältnismäßigen Inkassokosten geschützt werden.
Welche wesentlichen Änderungen das Gesetz mit sich bringt, fassen wir kurz und knapp für
Sie zusammen:
 Senkung der Inkassokosten für Verbraucher durch stärkere Beschränkung der
Geschäftsgebühr
 Einführung einer neuen Zwischen-Wertstufe für Kleinstforderungen bis 50 € mit
geringerer Kostenbelastung für Verbraucher
 Senkung der Einigungsgebühren für den Abschluss von Zahlungsvereinbarungen
verbunden mit neuen Hinweispflichten zu den Gebühren
 Gleichstellung der Inkassodienstleister mit den Rechtsanwälten bei Geltendmachung
von Kosten im Rahmen des gerichtlichen Mahnverfahren
 Höhere Transparenz für den Verbraucher zu Folgen bei Nichtzahlung
 Erweiterte Informationspflichten gegenüber Verbraucher wie z. B. Angabe der
zuständigen Aufsichtsbehörde und umfangreiche Information zum Gläubiger
 Schutz vor Identitätsdiebstählen durch gesonderte Informationspflichten bei
Adressermittlungen, Ausschluss von Verwechslungsrisiken
Um den Regularien des Gesetzgebers zu entsprechen, waren die Rechtsdienstleister
angehalten, ihre internen Prozesse neu zu definieren und auch Abrechnungsstrukturen
wesentlich zu modifizieren. Welche Folgen die Gesetzesänderung langfristig für den
Inkassomarkt nach sich ziehen wird, bleibt zunächst abzuwarten. Stützt man sich jedoch auf
Prognosen und Branchenstudien des Bundesverbandes (BDIU), so werden signifikante
Umsatzeinbußen von rund einem Drittel zu erwarten sein. Punktuell belegten die
Hochrechnungen des Verbandes sogar Umsatzeinbrüche von 40 Prozent, die auf die
massiven Änderungen der Geschäfts- und Einigungsgebühren zurückzuführen seien.
„Kosteneinsparungen durch erhöhten Digitalisierungsgrad“ wird für viele kleine und
mittelständische Inkassopartner wohl zur neuen Kernaufgabe, um fortan wirtschaftlich
bestehen zu können. Sie werden insofern nicht umhinkommen, Forderungen datengestützt
zu bearbeiten und ihre Abläufe vielfach zu automatisieren. Vermuten lässt sich, dass die
Inkassoregulierung wohl zu einer Ausdünung des Inkassomarktes führen wird.

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